#HauptsacheReisen – Irland. Ein Urlaub der anderen Art.

Ihr kennt das: Urlaube sind immer ewig weit weg. Wenn sie dann da sind, sind sie viel zu schnell vorbei und schon kurze Zeit später kommt es einem so vor als sei es ewig her. Gefühlt ist das ja wirklich immer so, vor allem für ungeduldige, reiselustige Menschen wie mich.
Und so kommt es, dass ich bereits gegen Ende des aktuellen Urlaubs Pläne für den nächsten schmiede – wenn ich überhaupt so lange warten kann. Aber dazu habe ich die nötige Selbstbeherrschung entwickelt, denn man soll sich ja bekanntlich nur auf eine Sache konzentrieren und diese richtig genießen.
Und es ist ja auch nicht so, dass ich nicht gern nach Hause komme. Doch, das mag ich wohl sehr. Allerdings mag ich das nur für ein paar Tage gerne, danach ist das Kribbeln ganz schnell wieder da. Mein Körper und meine Seele wollen dann wieder raus und neue Sachen sehen. Sie wollen nicht weg von dem was sie haben, sie wollen nur immer neue Erlebnisse und Erkenntnisse dazu gewinnen.
Und so würde ich gerne gar nicht mehr immer mal in den Urlaub fahren wollen, sondern gerne zurück kommen, weil ich weiß, dass ich bald wieder los kann.

Urlaub bedeutet für mich, neue Länder zu bereisen; Städte zu besuchen, in denen ich vorher noch nie war und fremde Umgebungen zu erkunden. Das Wort „fremd“ sagt aus, dass man nie wirklich weiß, was einen erwartet. Aber wie soll man es auch wissen, bevor man nicht dort gewesen ist. Also nicht allzu lange überlegen, sondern reisen, sehen und erleben!
Die Kunst der Reisenden ist doch, sich nicht vom ersten Eindruck täuschen zu lassen, sondern einen Blick hinter die Kulissen zu wagen. Und wenn man mich nach meinem letzten Urlaub fragt, habe ich genau das gemacht. Ich hatte Spaß und habe die Umgebung erkundet. Ich habe es mir so richtig gut gehen lassen. Denn Urlaub bedeutet auch, nicht von Termin zu Termin hetzen zu müssen. Urlaub bedeutet, entspannt in den Tag zu starten. Im Urlaub mache ich auch gerne mal Quatsch auf dem Hotelbett. Und hinterher lache ich dann darüber, wenn ich bei einer Rolle vorwärts einfach mal gekonnt zur Seite falle.

Als wir Mitte April in Wexford, Irland ankamen, waren wir wenig begeistert, dass wir erstmal über „die große Brücke“ mussten. Die große Brücke sah im Internet nicht so groß aus und so konnten wir den Lautstärkepegel, der auf dieser Brücke herrschte, nicht im Geringsten erahnen. Also hieß es jeden Morgen: „Ab über die Brücke – und das im Sturmschritt“! Unser Ziel, das Riverbank House Hotel, lag genau „hinter“ der großen Brücke und so übertrug sich der Lärm direkt ins Bett. Die LKWs fuhren praktisch am Bett vorbei, denn zwischen Fenster und Straße lagen nur etwa 2 1/2 Meter. Dafür hatten wir einen direkten Blick aufs Wasser und konnten so jeden Abend den Sonnenuntergang genießen. Den Hoteleingang fand ich wunderschön und jedes Mal, wenn wir das Hotel betraten, wurden wir sehr freundlich begrüßt. Das macht so viel aus und direkt gute Laune.

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Der nahegelegene Stadtkern war auf den ersten Blick gar nicht so schön. Doch wir erkundeten ihn trotzdem. Jeden Tag ging es in eine andere Richtung und wenn man genau hinschaut, hat man in jeder Ecke eine andere sehr fotogene Aussicht entdeckt. Ich mag es ja wirklich gerne, so einsame Gegenden zu erkunden und Ausschau nach schönen Fotomotiven zu halten. Einsam wirkende Tore müssen gar nicht immer so einsam sein und trotzdem machen Sie sich gut auf Fotos. Auch die Bank stand da nicht so einsam herum, befand sie sich doch genau gegenüber vom Hotel, aber es kommt immer auf die Betrachtungsweise an, nicht wahr? Und so flogen mir in diesem Urlaub die bekannten irischen Klippen nicht entgegen – ich suchte mir die schönen Landschaften selbst.

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Und wenn man dann wirklich mal in Irland ist, muss man auch einen echten irischen Pub besuchen. Einige Tage waren schon vergangen und wir waren immer noch nicht in einem echten irischen Pub gewesen. Mussten wir doch immer über „die große Brücke“, Sturmschritt und so, ihr wisst schon und das noch nach dem Abendessen? Wo man doch schon fast vom Esskoma in den Tiefschlaf gefallen ist. Da fiel es uns oft schwer, uns aufzuraffen. Aber wir wussten, irgendwann wollten wir ein echtes Guiness trinken und dabei einen echten Iren echt irisch echte irische Folklore singen hören. Eines Abends rafften wir uns dann doch noch auf und trauten uns tatsächlich so einen echten irischen Pub mit echten Iren zu betreten. Und echt irisch war dann auch die Bedienung: kurz und knapp. Aber wir nahmen das einfach mal so hin und vertrieben uns die Zeit bis plötzlich ein junger, knackiger Ire die Schwingtür aufstieß und seine ganze Technik an Ort und Stelle platzierte. Es dauerte noch etwas, aber wir kamen bald in den Genuss von seiner sanften, durchdringenden Stimme. Gemütlichen Schrittes gingen wir dann zurück Richtung Hotel und – ihr ahnt es sicher schon – wir mussten wieder über die Brücke. Aber nachts wirkte die Brücke plötzlich so friedlich, fuhr doch kaum ein Auto zu der Tageszeit. Und so konnten wir den Abendspaziergang inklusive Brücke tatsächlich doch noch genießen.

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Dieser Urlaub war nicht der spannendste, in dem ich je war. Zumindest ist er nicht mit dem „Pilgern auf dem Jakobsweg“ oder „4 Länder in 17 Tagen“ vergleichbar. Und trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb, hatte er doch etwas Besonderes. Denn wir waren in einer Stadt, in der wir vorher noch nie waren. Wir ließen es uns zehn Tage einfach nur gut gehen und taten, wonach uns gerade der Sinn stand. Das war herrlich und hat die eigentliche Bedeutung von Urlaub ganz gut getroffen. Ich bin mir sehr sicher, dass es mich irgendwann noch mal nach Irland ziehen wird – dann hoffentlich mit Klippen und noch immer anhaltender Urlaubsgelassenheit.

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